Zweieinhalb Stunden vor Beginn entsteigen dem großem Reisebus knapp 30 von Vortagskonzert und Anreise ermattete Dänen. Eine kurze Einweisung in die Räumlichkeiten und schon beleben Kaffee, Tee, Cola und Gebäck die müden Geister. Im Kirchenschiff Aufstellung, Bänkerücken, Einsingen, Probe, Gewöhnung und Spiel mit der Akustik durch Dirigentin und Sänger. Einrichtung von Beleuchtung und technischem Equipment. Gemeinsames Proben des gastierenden Chores mit 10 Sängern unseres Gemeindechores und des Organisten. Ein letzter stärkender Imbiss für die Künstler. Freudige Begrüßung der Konzertbesucher. Einzug der Musiker. Willkommensansprache zum Konzertbeginn – und endlich: Musik bitte!
Die Begriffe Konzert und Musik sind viel zu allgemein und zu banal, um zu beschreiben, was die Konzertbesucher nun im Laufe der folgenden Stunde erleben durften. Beginnend mit zwei Lobpreisgesängen des estnischen Komponisten Urmas Sisask (Benedicamus, Laudate Dominum), gelang es den Darbietenden, die Zuhörer vom ersten Moment an durch rhythmische Präzision und vollkommen ausgewogene Stimmenbalance vom Pianissimo bis ins Fortissimo in ihren Bann zu ziehen. Sphärisch schwebend ergriff der folgende Friedensgesang Peace des schwedischen Komponisten Martin Asander Ohren und Herzen – „engelsgleich“, so der Kommentar mehrerer Konzertbesucher. Das zu einem musikalischen Gottesdienst gehörende Evangelium schloss sich in der von Heinrich Schütz komponierten Motette Ich bin ein rechter Weinstock beeindruckend an sowie, aufgrund aktueller Geschehnisse unbedingt notwendig, ein weiteres Flehen um den Frieden, das altkirchliche Da Pacem Domine in Martin Luthers genialer Übersetzung Verleih uns Frieden, ebenfalls in Vertonung von Heinrich Schütz. Gelungen durchhörbar wurden die verschobenen Einsätze in dieser fünfstimmigen Motette gestaltet.
Als einen der Höhepunkte empfanden viele den gemeinsam mit den Sängern unseres Gemeindechores dargebotenen Hymnus Glory to thee, my God (Melodie Thomas Tallis, Arrangement Kenneth Brown). Im Rund um die Zuhörer vorgetragen wurde mit diesem sich bis zum vierstimmigen Kanon plus Oberstimme aufbauenden Abendgebet, das mit einer großen Doxologie abschließt, mit Unterstützung durch Karsten Warnecke an der Orgel eine beeindruckende Klangwirkung erzielt. An dieser Stelle berechtigter Applaus.
Zwei Gedichte von Johann Ludwig Tieck und Emanuel Geibel vertont vom dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade leiteten den zweiten Konzertteil ein. Auch in diesen weltlichen Gesängen Im Herbste und Die Wasserrose bewies der Chor seinen fein transparenten und homogenen Klang und erwirkte durch die auf den Gesichtern der Sänger ablesbare Freude am Gesang eine ganz besonders spürbare Interaktion mit dem Publikum. Danach wiederum das Herz betörende feinste Klänge sowohl heller schwebender Soprane, die niemals aufdringlich wirkten, als auch samtiger Altstimmen, fein durchhörbarer Tenöre und weicher sonorer Bässe in Northern Lights des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo - die in Klangschönheit gegossenen Nordlichter interpretiert als Gottes liebende Zuwendung zu seiner Gemeinde.
Es folgte nun wieder rein Geistliches vom estnischen Komponisten Avo Pärt: in Morning Star wurde Christus als der Morgenstern besungen; in The Deer`s Cry sind die komponierten Pausen zwischen den gesungenen Christus-in-und-bei-mir-Rufen musikalisches Programm, perfekt interpretiert durch das präzise fordernde Dirigat Alice Granums, in denen der Zuhörer Christi tröstenden Zuspruch „ich bin bei dir“ direkt und immer wieder erspüren darf. Wiederholt rein und klangschön endete mit dem Lobgesang O Lux Beata Trinitas des slowenischen Komponisten Andrej Makor der geistliche Teil des Abends – ein Gesang voll Glanz und Ewigkeitserwartung.
In den nun folgenden drei für Chor arrangierten weltlichen Liedern des dänischen Komponisten Carl Nielsen konnten einige Sänger ihre hervorragenden solistischen Fähigkeiten präsentieren. Neben den klaren und begeisternden Solostimmen konnte auch hier wieder besonders die Einheit des Miteinanders unter den 24 Sängerinnen und Sängern und mit ihrer Dirigentin unter Beweis gestellt werden. Zum Abschluss ein letzter eindringlicher Ruf nach dem mehr denn je benötigen Frieden für Stadt und Land (und Welt), Fred hviler over land og by des dänischen Komponisten Ole Kongstedt.
Brausender Applaus und Standing Ovations erzwingen eine wunderbare Zugabe, glücklich und zufrieden schauende Sänger und Sängerinnen fassen sich beim Vortrag an den Händen, ein berührender Ausklang eines ganz außergewöhnlichen musikalischen Abends, der den Anwesenden noch lange in allerbester Erinnerung bleiben wird.
Neuapostolische Kirche